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Colchicin

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Colchicin ist ein entzündungshemmendes Arzneimittel für Erwachsene mit akuten Gichtanfällen oder familiärem Mittelmeerfieber. Es dämpft gezielt die Aktivität bestimmter Entzündungszellen, die durch Harnsäurekristalle oder genetisch bedingte Entzündungsprozesse aktiviert werden.

Beschreibung

Colchicin ist ein entzündungshemmender Wirkstoff in 500-Mikrogramm-Tabletten zur Behandlung akuter Gichtanfälle und zur Vorbeugung entzündlicher Schübe bei familiärem Mittelmeerfieber. Es richtet sich an Erwachsene mit ärztlich festgelegter Anwendung.

Zusammensetzung

Die Tabletten enthalten Colchicin als entzündungshemmenden Wirkstoff. Auf der Packung sind 500 Mikrogramm pro Tablette sowie 100 Tabletten angegeben. Die genaue Zusammensetzung und Anwendung sind der Packungsbeilage zu entnehmen.

Dosierung und Anwendung

Die Tabletten enthalten 500 Mikrogramm Colchicin. Die konkrete Colchicin-Dosierung ist auf der Packung angegeben und richtet sich nach der Packungsbeilage sowie der ärztlichen Festlegung.

Für die Anwendung bei akuten Gichtanfällen oder familiärem Mittelmeerfieber ist die Dosierung auf der Packung angegeben. Eine Dosiserhöhung auf eigene Initiative ist gefährlich, da zwischen therapeutischer und schädlicher Menge nur ein enger Abstand liegt. Die FDA beschreibt Colchicin deshalb als Wirkstoff mit engem therapeutischem Bereich. [2]

  • Die Tablette mit Wasser schlucken und nicht zerkauen.
  • Die verordnete Dosis niemals verdoppeln.
  • Eine vergessene Dosis nicht durch zwei Tabletten auf einmal ausgleichen.
  • Bei Erbrechen oder starkem Durchfall keine weitere Einnahme planen, bevor ärztliche Rücksprache erfolgt ist.
  • Grapefruitsaft während der Behandlung meiden, da er den Colchicin-Spiegel erhöhen kann.
Praktischer Hinweis: Durchfall nach Colchicin ist nicht bloß lästig. Er kann ein frühes Zeichen einer zu hohen Wirkstoffbelastung sein, vor allem wenn gleichzeitig neue Medikamente begonnen wurden.

Eine Tablette wird manchmal fälschlich als harmlose Einzeldosis betrachtet. Bei Colchicin zählt auch die Summe der Einnahmen über mehrere Tage.

Wie es funktioniert

Colchicin wirkt früh im Entzündungsprozess. Die Wirksubstanz Colchicin ist ein Alkaloid, das ursprünglich aus der Herbstzeitlosen, Colchicum autumnale, gewonnen wurde. Auf Zellebene bindet Colchicin an Tubulin. Tubulin ist ein Baustein feiner Zellstrukturen, der Mikrotubuli. Neutrophile Granulozyten benötigen diese Strukturen, um zu Entzündungsorten zu wandern und Harnsäurekristalle aufzunehmen. Colchicine vermindert dadurch die Migration und Aktivierung dieser Abwehrzellen.

Der Effekt betrifft auch das NLRP3-Inflammasom. Dieses ist ein Eiweißkomplex, der bei Gicht die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe antreibt. Colchicin hemmt damit einen wesentlichen Teil der Entzündungsreaktion, ohne die Harnsäure selbst aufzulösen.

Indikationen

Colchicin wird bei akuten Gichtanfällen eingesetzt, wenn ein Gelenk plötzlich stark schmerzt, anschwillt, heiß wird und sich rötet. Es senkt nicht den Harnsäurespiegel. Seine Aufgabe besteht darin, die heftige Entzündungsreaktion auf bereits vorhandene Harnsäurekristalle zu dämpfen.

Bei familiärem Mittelmeerfieber, kurz FMF, kann Colchicin die Zahl und Schwere wiederkehrender Fieberschübe sowie Entzündungen von Bauch, Brust oder Gelenken verringern. WHO führt Colchicin in der anatomisch-therapeutisch-chemischen Klassifikation unter den Gichtmitteln. Die Wirkung beruht nicht auf einer allgemeinen Schmerzblockade, sondern auf einer gezielten Abschwächung der Aktivität bestimmter Abwehrzellen. [1]

Bei wiederkehrenden Gichtanfällen kann Colchicin zeitlich begrenzt vorbeugend eingesetzt werden, etwa zu Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung. Sinkt die Harnsäure, können sich Ablagerungen zunächst mobilisieren und neue Schübe auslösen. Die vorbeugende Gabe soll diese Übergangsphase abfedern.

Bei familiärem Mittelmeerfieber ist Colchicin eine zentrale Langzeittherapie. Regelmäßige Einnahme kann entzündliche Attacken reduzieren und schützt vor AA-Amyloidose, einer möglichen Folge dauerhafter Entzündung mit Nierenschädigung. Die EULAR empfiehlt Colchicin als Grundbehandlung bei FMF; die Dosis wird nach Anfallsaktivität, Verträglichkeit und Organfunktion angepasst. [3]

Die vorbeugende Wirkung baut auf konsequenter Einnahme auf. Sie ist nicht mit einer sofortigen Schmerzlinderung bei einem gerade begonnenen Anfall gleichzusetzen.

Vergleich

Bei einem Gichtanfall stehen mehrere entzündungshemmende Behandlungswege zur Verfügung. Die Wahl hängt von Begleiterkrankungen ab, etwa Niereninsuffizienz, Magenulzera, Blutverdünnung oder Diabetes. Bei FMF bleibt Colchicin die bevorzugte Basistherapie; bei unzureichender Wirkung können spezialisierte Zentren IL-1-Hemmer erwägen.

Therapieansatz Wirkprinzip Typischer Einsatz
Colchicin Hemmt neutrophile Entzündungszellen und das NLRP3-Inflammasom Gichtanfall, Anfallsprophylaxe, FMF
Nichtsteroidale Antirheumatika Senken Prostaglandine und Entzündung Akuter Gichtanfall bei geeigneter Nieren- und Magenfunktion
Kortikosteroide Bremsen die Immunreaktion breit Akuter Gichtanfall bei Unverträglichkeit anderer Optionen

Nichtsteroidale Antirheumatika können rasch helfen, sind bei eingeschränkter Nierenfunktion, Magenblutungsrisiko oder bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft ungeeignet. Kortikosteroide wirken breit und können den Blutzucker erhöhen oder Infektionen begünstigen. Colchicin verursacht dagegen häufiger Magen-Darm-Beschwerden und hat mehr relevante Wechselwirkungen.

Bei FMF stehen IL-1-Hemmer für Menschen mit unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit von Colchicin zur Verfügung. Diese Behandlung gehört in erfahrene ärztliche Hände. Die EULAR betont, dass Colchicin bei FMF nicht eigenmächtig abgesetzt werden sollte, weil erneute Entzündungsaktivität und Amyloidose-Risiko folgen können. [4]

Kontraindikationen

Colchicin ist nicht für Sie geeignet, wenn eine Allergie gegen Colchicin oder einen sonstigen Bestandteil besteht. Bei schweren Leberfunktionsstörungen oder schweren Nierenfunktionsstörungen darf es nicht ohne genaue ärztliche Beurteilung eingesetzt werden. Das gilt in besonderem Maß, wenn gleichzeitig Arzneimittel eingenommen werden, die den Colchicin-Abbau hemmen.

Vorsicht ist nötig bei:

  • eingeschränkter Nierenfunktion oder Dialysepflicht,
  • Lebererkrankungen und erhöhten Leberwerten,
  • Erkrankungen des blutbildenden Systems,
  • bestehender Muskelerkrankung,
  • höherem Lebensalter mit mehreren Dauermedikamenten,
  • Schwangerschaft und Stillzeit, sofern keine individuelle ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgt ist.

Colchicin wird über das Enzym CYP3A4 und den Transporter P-Glykoprotein abgebaut. Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin, bestimmte Pilzmittel, Ciclosporin, Verapamil, Diltiazem und einige HIV-Medikamente können den Colchicin-Spiegel stark erhöhen. Auch Statine können zusammen mit Colchicin das Risiko für Muskelschäden steigern.

Wann dies nicht für Sie geeignet ist

Colchicin ist möglicherweise nicht für Sie geeignet, wenn Sie eine Allergie gegen Colchicin oder einen anderen Bestandteil haben. Sprechen Sie vor der Einnahme unbedingt ärztlich ab, ob Ihre Nieren oder Ihre Leber eingeschränkt funktionieren, ob Sie dialysepflichtig sind oder eine Muskelerkrankung beziehungsweise eine Erkrankung des blutbildenden Systems haben. Informieren Sie die behandelnde Praxis auch bei Schwangerschaft oder Stillzeit sowie über alle Medikamente, insbesondere Clarithromycin, bestimmte Pilzmittel, Ciclosporin, Verapamil, Diltiazem, einige HIV-Medikamente und Statine.

Nebenwirkungen

Magen-Darm-Beschwerden gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen. Dazu zählen Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Krämpfe. Sie treten oft früh auf und können dosisabhängig stärker werden. Bei akuten Gichtbeschwerden kann Colchicin zwar Schmerzen und Schwellungen reduzieren, doch die Verträglichkeit begrenzt die mögliche Dosis. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Rücksprache erforderlich.

Seltener können Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Taubheitsgefühle oder eine auffällige Müdigkeit auftreten. Diese Beschwerden verdienen rasche ärztliche Abklärung, weil Colchicin in seltenen Fällen Muskeln, Nerven oder das Knochenmark schädigen kann. Warnzeichen sind zusätzlich Fieber, Halsschmerzen, ungewöhnliche Blutergüsse, Blutungen oder ausgeprägte Blässe.

Praktischer Hinweis: Muskelbeschwerden werden bei Colchicin leicht mit einem Gichtschmerz verwechselt. Neue symmetrische Schwäche in Oberschenkeln, Schultern oder Händen passt eher zu einer Arzneimittelreaktion als zu einem einzelnen Gichtgelenk.

Häufige Fehler

Ein häufiger Fehler ist die Einnahme zusätzlicher Tabletten, weil die Gelenkschmerzen nach kurzer Zeit noch vorhanden sind. Colchicin wirkt auf den Entzündungsprozess, nicht wie ein sofortiges Schmerzmittel. Eine eigenmächtige Nachdosierung erhöht vor allem das Risiko für Durchfall, Erbrechen und schwerere Vergiftungszeichen.

Auch die gleichzeitige Einnahme mit Clarithromycin oder bestimmten Pilzmitteln wird unterschätzt. Diese Kombinationen können den Colchicin-Abbau massiv bremsen. Ein weiterer Fehler betrifft die Prävention: Wer Colchicin nur an einzelnen Tagen einnimmt, obwohl eine regelmäßige FMF-Prophylaxe verordnet wurde, verliert den Schutz vor neuen Schüben.

Das Zerteilen oder Zerkauen der Tabletten ist ebenfalls keine gute Idee, wenn dadurch die verordnete Dosis ungenau wird. Eine halbe Tablette kann nur verwendet werden, wenn die Teilbarkeit ausdrücklich vorgesehen und ärztlich angeordnet ist.

Was Ärzte sagen

In der klinischen Praxis wird Colchicin bei Gicht vor allem dann geschätzt, wenn es früh im Anfall eingesetzt wird und andere Entzündungshemmer nicht passen. Ärztinnen und Ärzte achten dabei weniger auf eine möglichst hohe Dosis als auf eine gut verträgliche, kurze Behandlung. Mehr Tabletten bedeuten nicht automatisch mehr Nutzen.

Bei FMF zählt die Langzeitkontrolle. Wiederkehrendes Fieber, Bauchschmerzen oder Gelenkentzündungen trotz regelmäßiger Einnahme können auf eine unzureichende Dosis, Einnahmeprobleme oder eine besonders aktive Erkrankung hinweisen. Laborwerte wie Entzündungsparameter, Blutbild, Kreatinin und Leberwerte helfen bei der Verlaufskontrolle.

Praktischer Hinweis: Eine aktuelle Liste aller Medikamente im Mobiltelefon verhindert, dass Colchicin-Wechselwirkungen bei einem ungeplanten Arztbesuch oder einer Antibiotikaverordnung übersehen werden.

Häufig gestellte Fragen

Wie schnell wirkt Colchicin bei einem Gichtanfall?

Colchicin beginnt die Entzündungsreaktion früh zu beeinflussen, doch die spürbare Schmerz- und Schwellungsabnahme kann Stunden bis ein bis zwei Tage benötigen. Ein sehr später Beginn im Anfall kann den Nutzen verringern. Die FDA-Fachinformation von 2009 beschreibt die Anwendung für akute Gicht als zeitnahes Behandlungsschema mit begrenzter Gesamtdosis. Bei Fieber, starkem Krankheitsgefühl oder unklaren Gelenkbeschwerden muss auch eine Gelenkinfektion ausgeschlossen werden.

Darf Colchicin mit Ibuprofen kombiniert werden?

Eine Kombination kann in einzelnen Behandlungsplänen vorkommen, gehört aber wegen zusätzlicher Risiken für Magen und Nieren in ärztliche Entscheidung. Ibuprofen ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum und unterscheidet sich im Wirkmechanismus von Colchicin. Die EULAR-Empfehlungen von 2016 nennen beide Wirkstoffgruppen als Optionen bei akuter Gicht. Bestehende Nierenprobleme, Blutverdünnung oder Magengeschwüre sprechen gegen eine unkritische Kombination.

Welche Arzneimittel sind bei Colchicin problematisch?

Starke CYP3A4- oder P-Glykoprotein-Hemmer können den Colchicin-Spiegel gefährlich erhöhen. Dazu zählen unter anderem Clarithromycin, Ketoconazol, Ciclosporin und einige antivirale Arzneimittel. Die FDA warnt seit 2009 vor schweren und auch tödlichen Toxizitäten bei bestimmten Wechselwirkungskombinationen. Muskelschmerzen unter gleichzeitiger Statintherapie sollten zeitnah medizinisch beurteilt werden.

Kann Colchicin den Harnsäurespiegel senken?

Nein, Colchicin senkt den Harnsäurespiegel nicht. Es vermindert die Entzündung, die Harnsäurekristalle im Gelenk auslösen. Für eine dauerhafte Harnsäuresenkung kommen je nach Befund andere Wirkstoffgruppen infrage. Die EULAR-Gichtempfehlungen von 2016 trennen klar zwischen der Behandlung des akuten Anfalls und der langfristigen Harnsäurekontrolle.

Was bedeutet Durchfall während der Colchicin-Behandlung?

Durchfall zählt zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen und kann auf eine zu hohe individuelle Belastung hinweisen. Bei ausgeprägtem Durchfall, Erbrechen oder starken Bauchschmerzen sollte keine weitere Tablette eigenständig eingenommen werden. Die EMA bewertet in ihrer Produktinformation von 2024 gastrointestinale Beschwerden bei Colchicin als klinisch relevante Sicherheitszeichen, weil sie einer schwereren Toxizität vorausgehen können. Besonders gefährdet sind Menschen mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen.

Ist Colchicin in Schwangerschaft und Stillzeit geeignet?

Eine Behandlung in Schwangerschaft oder Stillzeit benötigt eine individuelle fachärztliche Bewertung. Bei FMF kann unbehandelte Entzündungsaktivität selbst Risiken mit sich bringen, weshalb pauschale Entscheidungen nicht sinnvoll sind. Die EULAR-Empfehlungen von 2016 berücksichtigen Colchicin als etablierte Therapie bei FMF und fordern eine auf die einzelne Patientin abgestimmte Betreuung. Die verordnende Praxis entscheidet über Dosis, Kontrollen und Fortführung.

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Colchicin: Bewertungen und Erfahrungen

3.6
Basierend auf 4 Bewertungen
Maria, 61 Köln Anwendung seit drei Tage
Verifiziert
Bewertung: 3.5 von 5

Der Schmerz im Großzehengelenk ließ am zweiten Tag deutlich nach. Am ersten Abend hatte ich weichen Stuhl, danach habe ich die Einnahme genau nach dem Plan fortgeführt.

15 Sep 2026
Stefan, 39 Leipzig Anwendung seit mehrere Monate
Verifiziert
Bewertung: 3.5 von 5

Ich nahm Colchicin über mehrere Monate. Die Fieberschübe wurden seltener, aber bei einer Antibiotikabehandlung musste mein Arzt die Kombination sofort umstellen.

4 Sep 2026
Thomas, 67 Hamburg Anwendung seit drei Tage
Verifiziert
Bewertung: 3 von 5

Es half gegen die Schwellung, aber die Übelkeit war unangenehm. Mit Einnahme nach dem Frühstück war der Magen ruhiger als auf nüchternen Magen.

17 Aug 2026
Anna, 45 München Anwendung seit mehrere Wochen
Verifiziert
Bewertung: 4.5 von 5

Nach einem vergessenen Tag habe ich nicht doppelt genommen. Das war richtig, denn bei mir reagiert der Darm schon auf kleine Änderungen ziemlich schnell.

27 Aug 2026

Quellen

  1. WHO (2024). ATC/DDD Index: Colchicine
  2. FDA (2009). COLCRYS (colchicine) tablets, for oral use: Prescribing Information
  3. EULAR (2016). EULAR recommendations for the management of familial Mediterranean fever
  4. EULAR (2016). 2016 updated EULAR evidence-based recommendations for the management of gout
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